Treffen der Projektpartner

Projekttreffen in Heilbronn - 11/2012

11.11.2012 - 14.12.2012


Ankunftstag:

Am Sonntag, den 11.11.2012 wurden die Gäste aus Elazig mit dem Bus am Flughafengebäude Stuttgart/Echterdingen abgeholt. Auf einer kurzen Sightseeing-Tour durch Stuttgart bekamen sie erste Eindrücke von dem neuen Schloss, das zwischen 1746 und 1807 als Wohn- und Regierungspalast der württembergischen Könige gebaut wurde und heute das Kultusministerium beherbergt und vom Landtag von Baden-Württemberg.

Ein weiterer Höhepunkt war das Residenzschloss Ludwigsburg, eine der größten im Original erhaltenen barocken Schlossbauten Europas. Am frühen Abend konnten die türkischen Partner ein Stück kirchliche Tradition zum Gedenken an den heiligen Martin erleben. Im Deutschhof in Heilbronn, einem historischen Gebäude aus dem 18. Jahrhundert, wurde von der Kirchengemeinde die Legende von St. Martin gespielt, ein bunter Laternenzug bewegte sich durch die Dämmerung.

1. Besuchstag:
Der Empfang, den die Schüler der Johannes- Häußler- Schule mit Liedern und Rektor Scheer mit einer launigen Ansprache den Gästen am nächsten Tag bereiteten, war überwältigend.

Jedes Kind der dritten Klasse hatte für die Drittklässler der türkischen Partnerschule ein Mitbringsel für die Partnerklassen gebastelt. In den Klassenzimmern fragten die türkischen Partner immer wieder sehr interessiert nach den Zielen des offenen und freien Unterrichtens und erfuhren neue Möglichkeiten der Unterrichtsgestaltung.

Die Leiterin des Staatlichen Seminars für Didaktik und Lehrerbildung (Grundschulen, Werkrealschulen, Hauptschulen) Heilbronn, Susanne Ruof , betonte in ihrer Ansprache die Bedeutung der beiden Partner für die Weiterentwicklung neuer Unterrichtsmethoden und die Verbreitung bei den Lehreranwärtern.

Türkischstämmige Referendare informierten in Türkisch und Deutsch über das deutsche Schulsystem, speziell das baden-württembergische.
Die Durchlässigkeit der Schularten mit der Chance, auch über den Weg der Hauptschule ein Studium zu beginnen, war ein Novum für die türkischen Partner, ebenso interessant war das erfolgreiche duale System, das mittlerweile in der ganzen Welt kopiert wird. Mit höchster Aufmerksamkeit lauschten man den Ausführungen, insbesondere aber auch, als die drei Referendare/Referendarinnen ihre Schullaufbahn und Berufslaufbahn darstellten, die vorbildhaft auch für andere junge Menschen mit Migrationshintergrund sein könnten, weil hier die Chancen , die das Bildungssystem eröffnet live und anhand der Personen dokumentiert werden konnten.

Die Leitung des Seminars selbst und die Fachbereichsleiter und Fachbereichsleiterinnen luden danach zu einem selbst zubereiteten Mahl ein, das schwäbische Spezialitäten- von den vegetarischen Maultaschen bis zu süßen Naschereien und Kuchen beinhaltete.

Die anschließende Arbeitssitzung war besonders intensiv, ging es doch um den Abgleich des Fragebogens, der zur Erhebung des Leseinteresses erstellt und in beiden Ländern durchgeführt werden sollte. Die Eingangsdiagnostik sollte über diesen Bogen erfolgen und damit die Grundlage für den weiteren Projektprozess schaffen.

Am frühen Abend erwartete die Delegation eine besondere Überraschung. Frau Minister Bilkay Öney, zuständig für Integration in Baden Württemberg hatte zugesagt, ihre Landsleute zu einem Gespräch zu empfangen. Frau Minister Öney war sehr offen für das Projet und betonte die Bedeutsamkeit des Erwerbs der deutschen Sprache und des Lesens der türkischen Kinder und Jugendlichen. Sie versprach eine Unterstützung des Projekts, falls Bedarf anfalle.

2. Besuchstag:
 
Am 13. November 2012 hatte die Stadt Heilbronn durch Herrn Bürgermeister Harry Mergel zu einem Empfang in den großen Ratssaal der Stadt eingeladen.

Beeindruckend waren die Zahlen und Fakten über die ehemalige freie Reichsstadt Heilbronn, die Bürgermeister Mergel darlegte. Die beispielhaften Bemühungen der Stadt Heilbronn und die Vielzahl an Projekten der Stadt zur Sprachförderung und Integration überraschten die Besucher aus Elazig ungemein.
Über 130 Nationalitäten leben hier zusammen. Dies spiegelt sich auch im sozialen und kulturellen Leben wider. So sind rund 80 Migranten-Vereine, -Clubs oder -Gruppierungen in den Bereichen Kultur, Religion, Sport und gemeinsamer Freizeitgestaltung aktiv. Insgesamt zählt die Heilbronner Bevölkerungsstatistik etwa 46 Prozent Einwohner mit Zuwanderungsgeschichte.

Die Stadt hat eine Stabsstelle für Integration mit einer Integrationsbeauftragten und den Integrationsbeirat, eingerichtet, die die sich gemeinsam für die Belange der Heilbronnerinnen und Heilbronner mit Migrationsgeschichte engagieren. Dabei verfolgen sie auch die Vernetzung mit den zahlreichen Heilbronner Migrantenkulturvereinen, bereits bestehenden Integrationsprojekten sowie mit Kindergärten, Schulen sowie sonstigen Organisationen und Institutionen. Dies hilft zum Beispiel, Sprachangebote und Integrationskurse zu koordinieren und dem Bedarf anzupassen.

Das Heilbronner Eltern-Multiplikatoren-Projekt, bei dem über 100 Elternteile mit Zuwanderungsgeschichte ausgebildet wurden, um anderen Eltern das Bildungssystem in Baden-Württemberg vom Kindergarten bis zur Universität vermitteln zu können, ist bundesweit beispielhaft.

Den vierten Partner im Projekt PRL, die Stadtbibliothek Heilbronn, stellte die Bibliotheksleiterin , Frau Ziller, selbst vor. Die 1903 gegründet Bibliothek zählt mit einem Bestand von rund 250.000 Bänden und einer Fläche von 2.800 m² zu den größten kommunalen Bibliotheken. Das Medienangebot umfasst neben Bücher, Zeitungen, Zeitschriften, Noten, sowie fremdsprachige Medien für Erwachsene, Kinder und Jugendliche als gedruckte Medien. Hinzu kommen Spiele (Brettspiele, PC- und Konsolenspiele) und audiovisuelle Medien (CDs, CD-ROMs, DVDs, DVD-ROMs, Videos, MP3-CDs, Kassetten, Schallplatten).

Daneben stehen als Download-Medien E-Books, E-Audios, E-Videos und E-Papers zur Verfügung. Auch die Kleinsten mit ihren Müttern können bereits den Service der Bibliothek in Form von Kinderreimen und Spielen in Anspruch nehmen. Viele Impulse zum Einsatz und Umgang mit Kinderbüchern und auch Bilderbüchern, wie auch verschiedene Methoden zum Lesen konnte die Leiterin der Kinderbuchabteilung und eine türkische Auszubildende den Gästen vermitteln. Begeistert begrüßten die Drittklässler der Wartbergschule um die Mittagszeit die Gäste. Es erklangen deutsche und türkische Lieder mit Willkommenssprüchen. Die Rektorin, Frau Hetzinger, führte durch das Schulhaus und vermittelte erste positive und eindrückliche Begegnungen mit Kindern und Jugendlichen im Unterricht. Nach einem Lunch, der von den Lehrkräften liebevoll vorbereitet worden war, konnte die abschließende Arbeitssitzung mit den Zielvereinbarungen auch für das Treffen im Frühjahr in Elazig durchgeführt werden. Bis Januar 2013 sollte die Erhebung mit den Fragebögen erfolgen, für den April nahm man sich die Methoden, die aufgrund der Ergebnisse notwendig werden sollten, vor.

Audi ist der größte Arbeitgeber in der aufstrebenden Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken. Am Standort Neckarsulm gibt es insgesamt 14.764 Mitarbeiter. Modelle wie der A8, A6 und A4 werden in Neckarsulm gebaut. Unsere Gäste konnten sich durch die Werksbesichtigung einen Eindruck davon verschaffen.

Zum Abschiedsabend mit kulturellem Angebot hatte die Johannes- Häußler- Schule gemeinsam mit dem türkischen Elternverein und dem Fördervereinsvorsitzenden Herrn Aydin Ayaz eingeladen. Neben den türkischen Tänzen türkischer Schüler und Schülerinnen, einstudiert von Herrn Mahir Cetintas, dem muttersprachlichen türkischen Lehrer der Schule und Koordinator für die türkischen Lehrkräfte im Bereich des Staatlichen Schulamtes, und der Präsentation der ersten Mobilität in Elazig, vorgestellt von Rektor Manfred Scheer erfreuten sich alle Besucher
und Gäste an den von Eltern gespendeten kulinarischen Spezialitäten der Türkei.
Abreisetag:
 
Nach kurzer Nacht endete der Besuch der Delegation dann mit der Verabschiedung am Stuttgarter Flughafen voller Vorfreude auf das nächste Treffen in Elazir im April 2013.

Sprachauswahl

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NeckarsulmElazig

Was ist PRL?

Das Projekt "PRL" schlägt eine Brücke zwischen zwei Ländern, nämlich Deutschland und der Türkei. Die Leseförderung und Steigerung der Lesekompetenz der Schüler und Schülerinnen, insbesondere der benachteiligten ( in kognitiver, sozial-ökonomischer kultureller Hinsicht) steht im Mittelpunkt einer innovativen Kooperation lokaler Institutionen.